Wertschwankungen — Wie geht man damit am besten um?

Preise von Wertpapieren schwanken mitunter kräftig. Im aktuellen Jahr mussten Anleger meist fallende Kurse beobachten. Solche Phasen sind in der Geschichte jedoch nicht selten. Warum dies langfristige Anleger nicht beunruhigen sollte und welche Chancen sich daraus ergeben, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Große Preisrückgänge an den Börsen können für Anleger beunruhigend sein und große Besorgnis auslösen, insbesondere wenn diese unerwartet oder in sehr kurzen Abständen eintreten. Solche Rückgänge sind historisch betrachtet jedoch nicht ungewöhnlich. Die Volatilität, also das Ausmaß der Preisschwankung, verändert sich nämlich, je nachdem wo wir uns im Geschäftszyklus befinden.

Regelmäßig kommt es zu einer Börsenkorrektur (darunter wird der Rückgang der Kurse zwischen 10–20 Prozent von den Höchstständen verstanden) oder gar zu einem Börsencrash (ein rascher Kursrückgang innerhalb kurzer Zeit von mehr als 20 Prozent, begleitet von weit verbreiteten Pessimismus unter den Anlegern). Allein in den letzten 100 Jahren kam es zu 13 Aktiencrashs, mit einem Marktrückgang von durchschnittlich 41 Prozent bis zum Erreichen des Tiefpunktes (S&P 500-Aktienindex).

Das Kapitalmärkte im Allgemeinen und Aktienmärkte im Speziellen stark schwanken können, ist also ein normales Merkmal, das Anleger erwarten sollten. In der Regel ging vergangenen Börsencrashs eine ausgedehnte Phase hohen Wachstums voraus, bevor die Kurse schließlich einbrachen. Ein verständlicher Wunsch von Anleger ist daher, kurz vor dem Kursverfall die Wertpapiere zu verkaufen und erst bei einsetzender Erholung wieder einzusteigen. Denn wenn die Märkte ausverkauft werden, sinken die Vermögenswerte in einer Weise, die den Anlegern erhebliche Verluste bescheren kann. Der Versuch, diese Art von Unannehmlichkeiten durch geschicktes Verkaufen zu verringern, führt jedoch häufig zu höheren Verluste als das „Aushalten“ zwischenzeitlicher Kurskorrekturen. Dieses immer wieder zu beobachtende Phänomen hat verschiedene Ursachen:

Zunächst ist da die Tatsache, dass es äußerst schwierig ist, den Zeitpunkt eines Marktabschwungs mit der Genauigkeit vorherzusagen, die erforderlich ist, um von einer solchen Vorhersage zu profitieren. Mit anderen Worten, es ist leicht, eine solche Vorhersage falsch zu machen. Was wie der Beginn eines Börsencrashs aussieht, entpuppt sich viel häufiger als kurze Korrektur, die im nächsten Moment schon wieder von steigenden Preisen aufgeholt wird.

Auch der andere Fall ist häufig zu beobachten: Bei beginnender Korrektur scheuen sich Anleger zu verkaufen, wenn ihr Wertpapier bereits leicht im Minus ist. Ein Verlust wird nur sehr ungern realisiert, da dieser dann manifestiert wird. Aus der Forschung wissen wir, dass Anleger Verluste viel stärker wahrnehmen als gleichhohe Gewinne. Diese als Verlustaversion (loss aversion) bekannte Beobachtung führt dazu, dass Anleger lieber Verluste laufen lassen und vorschnell kleine Gewinne realisieren.

Das die Vorhersage der Zukunft selbst Fachleute nicht gelingt, zeigt aktuell das Beispiel der Zentralbanken. Obwohl die Währungshüter über unglaublich hohe Ressourcen und Statistiken verfügen, die ihnen Insiderinformationen über die Konjunktur und Wirtschaftsentwicklung geben, haben sie die aktuelle Inflationsentwicklung komplett unterschätzt.

Vielleicht fällt ihnen dabei ein, dass aber vergangene Crashs auch von einzelnen Analysten erfolgreich vorhergesagt wurden. Das ist auch richtig. Allerdings unterliegen wir hier einer kognitiven Verzerrung. Bei der Vielzahl von Marktteilnehmern und der daraus folgenden Vielzahl von unterschiedlichen Meinungen wird es immer irgendjemand geben, der mit seiner Prognose richtig liegt. Jedoch wird diese Prognose erst im Nachhinein in der Breite wahrgenommen, wenn die Presse sich auf diese Story stürzt und Lesern weismachen will, dass „man“ es doch hätte kommen sehen müssen. Michael Burry ist ein solcher Fall: Der Hedgefonds Manager, der im Jahr 2007 erfolgreich gegen den US-Häusermarkt spekuliert hat, war vorher ein eher unbeschriebenes Blatt. Erst mit der hochspekulativen Wette auf fallende Kurse gelangte er zur Berühmtheit. Sogar ein Kinofilm mit seiner Geschichte entstand. Schaut man jedoch auf seine anderen Vorhersagen, kehrt schnell Ernüchterung ein: Viele seiner Prognosen waren schlichtweg falsch.

Ein weiterer Punkt beim Versuch des Markttimings ist zu beachten: Der Einfluss von Gebühren und Steuern auf den Anlageerfolg. Bei jeder Transaktion, ob Kauf oder Verkauf, fallen Kosten und manchmal auch Steuern an, die den Betrag reduzieren, der zur erneuten Anlage zur Verfügung steht. Aus dem Zinseszinseffekt kennen wir den großen Einfluss über lange Zeiträume. Albert Einstein bezeichnete treffenderweise den Zinseszins auch als „achtes Weltwunder“. Bei Gebühren und Steuern arbeitet dieser Effekt allerdings gegen den Anleger. Neben einer falschen Prognose kämpft ein Anleger, der ein Timing versucht, also auch an dieser zweiten Front.

„Kaufe günstig, verkaufe teuer“ mag zwar wie ein guter Ratschlag klingen. In der Praxis sehen wir jedoch, dass dieser Ansatz selten erfolgsversprechend ist. Anleger, die auf den Crash warten, bis ein Marktabschwung kommt, geht oft die Geduld aus, wenn die Aktien weiter steigen. Dies führt dazu, dass sie Gewinne verpassen, anstatt Verluste zu verhindern. Doch wer das Börsengeschehen nur von der Seitenlinie beobachtet, kann nicht gewinnen.

Das trotz häufiger Krisen Anleger mit langfristigem Investment-Horizont die bessere Rendite erzielen konnten, als Anleger die „cleverer“ sein wollten, zeigt die folgende Tabelle. Wenn nur die 10 besten Börsentage verpasst wurden, halbiert sich bereits das Anlageergebnis, das im Zeitraum 1998 bis 2017 mit einer buy-and-hold-Strategie möglich war.

Die andere Seite dieses kostspieligen Fehlers ist, wenn panische Anleger ihre Bestände entnervt am oder nahe des Tiefpunktes verkaufen. Auch hier gelingt es den wenigsten gleich wieder zu investieren, wenn die Kurse beginnen zu klettern. Viel zu lange warten die meisten lieber auf eine neue Korrektur, um wieder in die Märkte investieren zu können. Das Wichtigste ist, nicht wie viele andere in Panik zu verkaufen, auch wenn die Anlagesituation in vielen Aspekten schwierig scheint.

Diese wertvernichtenden Verhaltensweisen sind leider sehr verbreitet. Dabei gibt es unterschiedliche Untersuchungen die belegen, dass eine Buy-and-Hold-Strategie, also eine langfristig ausgelegte Anlagestrategie, bei der man auch bei zwischenzeitlichen Schwankungen investiert bleibt, grundsätzlich funktioniert — zumindest unter gewissen Voraussetzungen. Dabei geht es nicht nur um höhere Renditen, sondern auch um Sicherheit und Berechenbarkeit der zukünftigen Wertentwicklung. Denn es stellt sich vielfach heraus, dass kurzfristiges Handeln unter dem Strich riskanter ist, als zwischenzeitliche Verluste im Portfolio auszuhalten.

Anstatt Überlegungen zum Timing des Marktes anzustellen ist es daher viel sinnvoller, wenn Anleger sich mit ihren finanziellen Zielen, ihrer Risikobereitschaft und einer guten Portfoliokonstruktion beschäftigen, die zu einem passt. Hier kann ein Berater eine guter Sparringspartner sein, der die Ziele und Prioritäten bespricht und das Portfolio basierend auf der aktuellen Situation bewertet.

Wenn Sie beispielsweise auf ein Ziel hin sparen und gute Fortschritte gemacht haben, kann es unabhängig von den Marktaussichten sinnvoll sein, weniger Risiko einzugehen. Dies hat zwei Gründe: Erstens ist es intuitiv, weniger Risiko einzugehen, wenn man mehr zu verlieren als zu gewinnen hat. Zweitens wünschen Sie sich vielleicht Gewissheit, dass Ihr bereits erreichtes Ziel nicht noch „auf den letzten Metern“ gefährdet wird. Wenn Sie beispielsweise das notwendige Eigenkapital für Ihr Traumhaus beisammenhaben, wollen Sie vielleicht nicht mehr Ihren Traum durch risikobehaftete Aktieninvestments gefährden.

Auf der anderen Seite kann es für Anleger, die noch nicht ganz an ihrem finanziellen Ziel angelangt sind, ein guter Rat sein, gerade während einer Marktkorrektur die Anlagechancen zu erhöhen. Wenngleich niemand wissen kann, wie lange eine Korrektur andauern wird, können wir uns dessen sicher sein, dass sie enden wird. Nach diesem grundlegenden Mechanismus des Marktes zu handeln ist der wichtigste Baustein, um mittel- und langfristig erfolgreich zu investieren.

Unser Research zeigt, dass die Märkte am vorhersehbarsten sind, wenn Sie einen Zeithorizont von mindestens sieben bis zehn Jahren haben. Über diesen Zeitraum haben sich in der Vergangenheit verschiedene Börsenzyklen abgewechselt und die Renditen der einzelnen Anlageklassen den langfristigen Durchschnittswerten angenähert. Unsere Prognosen deuten weiterhin darauf hin, dass vor allem Aktien in diesem Zeithorizont Barmittel übertreffen werden.

Fazit

Man will an der Börse alles richtig machen, aber irgendwie gelingt dies meistens nicht. Phasen fallender Kurse gehören zu den Kapitalmärkten dazu, ebenso wie die Phasen steigender Notierungen. Ein Versuch, diese Phasen durch Kauf und Verkauf zu umgehen, verursacht meist Verluste. Erfolgversprechend ist vielmehr, sich auf langfristige Risiken und Anlageziele zu fokussieren. Die Zusammenarbeit mit einem professionellen Experten kann Ihnen helfen, kurzfristiges Denken zu vermeiden und sich daran zu erinnern, dass Investitionen ein langfristiges Vorhaben sind. Den Horizont im Auge zu behalten, ist Ihre beste Strategie als Investor.

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