Inflation: Diese Punkte sollten Anleger jetzt beachten

Inflation zerstört die Kaufkraft des Geldes

Die Folgen von Putins Krieg in der Ukraine lassen die Preise steigen. Gleichzeitig sinkt das Wirtschaftswachstum wieder, während die pandemiebedingten Lieferprobleme anhalten. Ein Spannungsfeld, in dem die Geldpolitik Antworten finden muss. Worauf sollten Anleger in einem solchen Umfeld bei der Vermögensanlage achten?

Teuerungsraten steigen auf schmerzhaftes Niveau

Mit dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine wurde am 24. Februar das Ende der friedlichen Koexistenz zwischen Russland und der westlichen Welt eingeläutet. Der Angriffskrieg trifft die Welt zu einer Zeit, in der die Nachwirkungen der Pandemie in Form von unterbrochenen Lieferketten noch nicht überwunden und die Energie- und Rohstoffpreise bereits stark angestiegen sind. Jetzt klettern sie auf ein schmerzhaftes Niveau, während sich gleichzeitig das Wirtschaftswachstum deutlich abkühlt. In vielen Ländern baut sich so ein Stagflationsdruck auf.

Ein solches Szenario ist für die Zentralbanken besonders heikel. Der Grund: Sie sind verantwortlich für die Stabilität der Währung. Mit anderen Worten ist es ihre Aufgabe, mit geldpolitischen Maßnahmen die Inflation in Schach zu halten. Auf der anderen Seite ist ihr Spielraum für Zinserhöhungen angesichts der hohen Verschuldung sehr begrenzt, wenn sie nicht Zahlungsausfälle oder eine neue Euro-Krise hervorrufen wollen.

Die wichtigen Zentralbanken der USA und Europas sind bisher von der Annahme ausgegangen, dass die aktuell hohen Teuerungsraten nur „transitorisch“, d.h. kurzfristiger Natur sind. Aus diesem Grund haben sie sich auch bei der Bekämpfung der Inflation zurückgehalten. Inzwischen ist jedoch ein Umdenken der Notenbanker eingetreten. Der Inflationsdruck wird nun als Problem wahrgenommen und hat die US-Zentralbank FED veranlasst, mit Zinserhöhungen und Verkleinerung Ihrer Bilanz die Inflation zu bekämpfen. Auch die EZB schwenkt nun um, wenn auch deutlich vorsichtiger als in den USA.

Diese Auswirkungen hat die Inflation auf Anleger

Ein nachhaltiger Inflationsschock dürfte tiefe Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen. Deshalb ist es für Anleger relevant zu beobachten, wie sich die Preise für Waren und Dienstleitungen entwickeln, wenn sie Ihr Vermögen schützen wollen. Allerdings gibt es für einen sicheren Inflationsschutz keine Patentlösung. Inflation hat mehrere Dimensionen und unterscheidet sich in ihren Ursachen, dem Trend und den wirtschafts- und geldpolitischen Reaktionen. Aus diesem Grund kann auch aus der Vergangenheit nicht sicher abgeleitet werden, welche Anlageklasse wie auf die Inflation reagieren wird. Allerdings lassen sich Muster erkennen, die zumindest langfristig einen höheren Inflationsschutz versprechen.

Geldwertanlagen im Nachteil

Vor allem Anlageformen mit festgelegten nominalen Zahlungsprofilen verlieren bei steigender Inflation. Allen voran sind das Guthaben auf Konten und Sparbücher, Anleihen und Kredite. Zwar können Anleger über höhere Zinsen eine Inflationskompensation durchsetzen, allerdings verlieren sie real dennoch, wenn die Inflationsrate höher ist, als ihr Zins. Inflationsgeschütze Anleihen sind hier eine Ausnahme: Besonders kurzfristiger Inflationsschutz gelingt bei diesen Finanzprodukten durch die variable und an die Inflationsrate gekoppelte Anpassung des Zinses.

Aktien nicht immer gut bei Inflation

Einen echten Inflationsschutz konnten in der Vergangenheit meist Sachwerte wie Aktien und Immobilien, aber auch Rohstoffe und Gold bieten. Unternehmen nutzen in einem inflationären Umfeld meist ihre Preissetzungsmacht und geben die höheren Kosten an die Verbraucher weiter. So können Gewinne gesteigert werden, was entsprechend an der Börse mit höheren Kursen goutiert wird. Allerdings funktioniert das nicht immer: Wenn die Inflationsrate einen zu hohen Wert erreicht (Hyperinflation), dann überwiegen die negativen Folgen der Inflation auf die Wirtschaft. Unterschiede gibt es auch in den einzelnen Branchen: Unternehmen mit einem hohen Arbeits- und Lohnrisiko leiden stärker unter steigenden Kosten als beispielsweise IT- oder Energieunternehmen.

Alternative Sachwerte als Beimischung

Rohstoffpreise verursachen nicht selten steigende Inflationsraten und passen sich meist schneller den Inflationstrends an. Preisbereinigt erzielen dann kurzfristig die Rohstoffe, mit Ausnahme von Agrarrohstoffen, eine bessere Wertentwicklung als Aktien und Anleihen. Gold ist als bewährter Inflationsschutz bekannt. Die trifft vor allem bei sehr hoher Inflation auch zu. Anleger, die auf das Edelmetall setzen, sollten allerdings auch bereit sein, zwischenzeitlich hohe Schwankungen in Kauf zu nehmen. Für Kryptowährungen steht die Feuertaufe noch aus. Bei Bitcoin vermuten wir, dass grundsätzlich ein Inflationsschutz, ähnlich wie bei Gold, zukünftig bestehen wird. Doch auch hier sind größere Preisschwankungen einzukalkulieren.

So bietet Betongold Inflationsschutz

Statistisch gesehen bieten auch Immobilien eine gute Inflationsabsicherung. Dies gilt aber nicht für alle Segmente. Wohnimmobilien haben in der Vergangenheit diese Funktion erfüllt, da höhere Kosten auf die Mieter umgelegt werden können. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass durch den heutigen Mieterschutz in Deutschland die Anpassung der Miete nur mittel- bis langfristig gelingt.

Risikofaktor Notenbanken

Mit dem unerwartet deutlichen und nachhaltigen Anstieg der Preissteigerungsraten rücken die Notenbanker in den Fokus. Ihre Rolle an den Kapitalmärkten hat sich spätestens seit der Finanzkrise 2008 fundamental geändert. Sie steuern nicht mehr nur die Zinsen, sondern greifen als aktiver Teilnehmer in die Finanzmärkte ein, was sich direkt auf die Börsenpreise auswirkt. Um das Ziel des Inflationsschutzes zu erreichen, ist daher ausgewogene Vermögensstrukturierung mit einem höheren Anteil an Sachwerten zu bevorzugen, auch wenn das bedeutet, dass dieses Portfolio zwischenzeitlich stärker schwanken kann.

Fazit

Inflation zerstört Vermögen. Um sich davor effektiv zu schützen, sollten Anleger in Anlagen investieren, die in einem Inflationsumfeld an Wert gewinnen und so den Kaufkraftverlust (über-)kompensieren. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass dies vor allem bei Sachwerten zutreffen kann, aber nicht muss. Daher sind Anleger auch bei steigender Inflation gut beraten, auf eine Diversifikation zu achten. Ein sinnvoller Ansatz für einen effektiven mittel bis langfristigen Schutz ist jedoch auch, den Anteil an Sachwerten wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe zu erhöhen.

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